Der Bösewicht und der Tod

Mythos Mittelerde - Er, der in Macht ersteht - MelkorMythos Mittelerde - Er, der in Macht ersteht - Melkor
Melkor - Morgoth

Nichts ist böse von Anfang an.


Nichts ist so leicht wie einen Bösewicht auszumachen.
Nichts ist schwerer als ihn zu verstehen.


Nothing is easier than to denounce the evildoer.
Nothing is more difficult than to understand him.

Das hab ich heute – in englisch – auf Percevalpress, der der Verlagsseite von Viggo Mortensen entdeckt.

Ein Zitat von Fjodor Dostojewski. Der Orginal-Text ist also russisch, was ich jetzt mal weg lasse.

Aber wenn Du des Russischen mächtig bist, kannst Du vielleicht noch genauer erfassen, worum es Dostojewski mit diesen zwei Sätzen ging:

Nichts ist so leicht wie einen Bösewicht auszumachen.
Nichts ist schwerer als ihn zu verstehen.

Melkor – der Böseste der Bösen

Was macht dieser Morgoth eigentlich mit den drei Silmarilli auf seinem Kopf?

Sie schmerzen ihn ja, erfahren wir von Tolkien und berühren oder für was auch immer sinnvoll einsetzen kann er die drei kostbaren Gemen auch nicht.

Glücklich sieht dieser Morgoth keinesfalls aus. Nicht nur auf diesem Bild nicht, auch auf keinem anderen.
Was überhaupt treibt Melkor und was dann Morgoth an?
Was würde er tun, wenn es ihm gelingen würde, ganz Mittelerde zu beherrschen?
Was täte er – am Ziel angelangt?

Und was tun wir mit ihm?

Anprangern. Anklagen. Beschimpfen.
Aus der Welt aussperren. In die äußere Leere.
Vernichten, wenn irgendwie möglich.
Aber ihm Fragen stellen?

Fragen an „die Bösen“ stellen

Mythos Mittelerde - Er, der in Macht ersteht - Melkor

Mythos Mittelerde – Er, der in Macht ersteht – Melkor

Es lohnt sich, gerade in Mittelerde genauer hin zu hören, wie die „Bösen“ sich selbst verstehen.

Wie sie sich selbst beschreiben.

Denn niemand versteht sich selbst als böse, nicht wirklich, nicht bis auf den Grund. Sonst könnte er nicht leben.

  • Wie würde – insbesondere – Melkor oder Smaug oder Sauron die Ereignisse zu den altvorderen Zeiten oder auch den Ringkrieg beschreiben?
  • Was erzählen sie sich erzählen, wenn sie – gesetzt den Fall, sie treffen sich – über Aragorn? Was halten sie von Gandalf? Von Galadriel oder Glorfindel?
  • Gibt es vielleicht jemanden, der ihnen imponiert oder andere, die sie nur verachten? Verachten sie alle gleichermaßen? Und wenn ja, aus welchen Gründen?

Was „die Bösen“ über sich selbst denken, welche Gründe sie zum Handeln, Zerstören, Verraten haben, erfahren wir bei Tolkien immerhin dank des Geschöpf Gollum oder durch Saruman,.

Spuren, so offensichtlich die klare Trennung in die Guten und die Bösen im Silmarillion, Hobbit und Herr der Ringe auch ist, Mittelerde mit den Augen der Feinde unserer Helden zu sehen, gibt es also immerhin.

Und wenn Du – lohnt sich bei Tolkien eh – unter das eigentliche, offensichtliche Handlungsgeschehen schaust, kannst Du noch mehr Spuren entdecken.

Der Bösewicht und der Tod

Tolkien wusste und sagte deutlich: Das große Thema seines Lebenswerks, Silmarillion, Herr der Ringe und Hobbit einbegriffen, ist der Tod.

„Und schließlich“, so wird Tolkien wörtlich zugeschrieben, „gibt es das älteste und tiefste Verlangen: Die Flucht vor dem Tod.“

Im Lichte dieses Tolkien-Zitats kann man sich fragen, welche Bedeutung es – noch – hat, wenn unsere Hobbit- und Ring-Helden Smaug und Sauron vernichten.

Das Böse und schon gar nicht der Tod, mit dem es grad bei Peter Jackson mitunter gleichgesetzt wird, ist damit keinesfalls vernichtet.

  • Sauron zu Frodo in Herr der Ringe /Die Gefährten: Es gibt kein Leben im Nichts – nur den Tod.
  • Smaug am Ende von Smaugs Einöde: Ich bin Feuer. Ich bin – der Tod.

Was man geklagen, oder eben weiterfragen kann. Zum Beispiel mit Hilfe von Nietzsches Zarathustra: „Der Mensch muss besser und böser werden. Das Böseste ist nötig zu des Übermenschen Bestem.“

Ein paar Beispiele dafür, dass Gut und Böse bei Tolkien weit weniger scharf abgegrenzt sind, als es auf den ersten Blick – nimmt man nur den Plot – scheinen mag.

  • Elrond – beim Rat von Elrond – legt Tolkien Worte in den Mund, die im Film nicht zu hören sind: Nichts ist böse von Anfang an. Selbst Sauron war es nicht.
  • Boromir und Denethor, obgleich heldenhafte Figuren, sind in sich zerrissene Charaktere, die schließlich auch scheitern.
  • Aragorn ruft die Toten, die Eidbrecher, Mörder und Verräter, in den Kampf gegen Saurons Übermacht.
  • Gollum / Smeargol ist zwiegespalten und tut schlussendlich das, was Frodo nicht über sich bringt – den Ring ins Feuer befördern.
  • Melkor ist der die das Böseste vom Bösen. Aus der Perspektive seiner Feinde. Doch tut er – bei Tolkien – ausdrücklich genau das, wozu Eru ihn erschaffen hat: Verneinen, in Frage stellen, widersprechen. Und für sich selbst will er eigentlich vor allem eines, das ihm jedoch verwehrt ist: Schöpfer sein.

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Über den Autor

Tom Bombadil
Was wird aus Mittelerde im Zeitalter der Menschen?

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