Das Thomas Evangelium

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Thomas-Evangelium

Totenstele der alten Ägypter

Dies sind die verborgenen Worte, die der Jesus, der lebte, sagte und die der Zwilling Judas Thomas schrieb.

Das Evangelium nach Thomas

1.

Und er sagte so: Wer die Bedeutung dieser Worte findet, wird den Tod nicht kosten.

2.

Jesus sprach: wer sucht, soll nicht aufhören zu suchen, bis daß er findet. Und wenn er gefunden hat, wird er verwirrt sein. Und wenn er verwirrt ist, wird er verwundert sein und über das Universum herrschen.

3.

Jesus sprach so: Wenn eure Führer zu euch sagen, seht, die Herrschaft ist im Himmel, so werden euch die Vögel des Himmels zuvorkommen herrschen. Und wenn sie zu euch sagen: Sie ist im Meer!, so werden euch die Fische zuvorkommen. Nein, die Herrschaft ist in euch und außer euch. Wenn ihr euch (selbst) erkennt, dann werdet ihr erkannt werden. Und zwar werdet ihr erkennen, daß ihr die Söhne des lebendigen Vaters seid. Wenn ihr euch aber nicht erkennt, so seid ihr in Armut und ihr selbst seid die Armut.

4.

Jesus sprach: Der Greis wird in seinen (alten) Tagen nicht zögern, ein Kleinkind von sieben Tagen nach den Ort des Lebens zu fragen, und er wird leben. Denn viele erste werden letzte, doch sie werden ein einziger sein.

5.

Jesus sprach: Erkenne, was vor deinem Gesichte ist, und was dir verborgen ist, wird sich die entbergen; denn nicht Verborgenes, das nicht manifest gemacht würde.

6.

Es fragten ihn seine Schüler und fragten ihn so: Willst du, daß wir fasten? Und: Wie sollen wir beten und Almosen geben, und welche Speise (regel) sollen wir einhalten? Jesus sprach so: Lügt nicht. Und das, was ihr haßt, tut nicht; denn offen liegt alles dar vor dem Himmel. Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht entborgen wird, und nichts Verdecktes, das nicht aufgedeckt werden wird.

7.

Jesus sprach: Selig der Löwe, den ein Mensch ißt, und der Löwe wird Mensch. Und gräßlich der Mensch, den ein Löwe frißt, und der Mensch wird Löwe.

8.

Der Mensch gleicht einem klugen Fischer, der sein Netz ins Meer warf. Und er zog es aus dem Meere, voll mit kleinen Fischen. Mitten unter ihnen fand er einen großen, guten Fisch, der kluge Fischer. Da warf er alle kleinen Fische zurück ins Meer, und wählte den großen Fisch ohne zu zögern. Wer Ohren hat, um zu hören, der soll hören!

9.

Es sprach Jesus so: Seht, einer, der sät, ging hinaus, füllte seine Hand und warf. Einiges fiel auf den Weg, und Vögel kamen und pickten es auf. Anderes fiel auf denn Fels und trieb keine Wurzeln in die Erde hinab und trieb auch keine Ähren in die Höhe. Anderes fiel auf Dornen. Die erstickten den Samen, und der Wurm fraß es, und anderes fiel auf guten Boden und brachte gute Frucht hervor: Es brachte sechzigfach und hundertzwanzigfach!

10.

Es sprach Jesus so: Ich habe Feuer auf die Welt geworfen, und seht, ich hüte es, bis es (auf)brennt.

11.

Es sprach Jesus so: Dieser Himmel wird vorübergehen und (auch) der über ihm wird vorübergehen. Und die Toten leben nicht, und die Lebenden werden nicht sterben. In den Tagen, da ihr das Tote gegessen habt, habt ihr es lebendig gemacht. Wenn ihr im Lichte seid, was werdet ihr dann tun? An dem Tage, da ihr einer ward, wurdet ihr zwei. Wenn ihr aber zwei geworden seid, was werdet ihr tun?

12.

Es sprachen die Schüler zu Jesus so: Wir wissen, daß du uns verlassen wirst. Wer wird über uns (dann) groß sein? Es sprach zu ihnen Jesus so: Wohin ihr (auch) gekommen sein werdet, geht zu Jakobus, dem Gerechten, seinetwegen sind Himmel und Erde geworden.

13.

Es sprach Jesus zu seinen Schülern so: Vergleicht mich und sagt mir, wem ich gleiche. Es sprach zu ihm Simon Petrus so: Du gleichst einem gerechten Engel. Es sprach zu ihm Matthäus so: Du gleichst einem Philosophen, einem intelligenten Menschen. Es sprach zu ihm Thomas so: Mein Rabbi, mein Mund wird es nicht tragen, zu sagen, wem du gleichst. Es sprach Jesus so: Ich bin nicht dein Rabbi. Nein, du hast getrunken und dich an der sprudelnden Quelle berauscht, die ich vermessen (?) habe. Und er nahm ihn, zog sich (mit ihm) zurück und sagte drei Worte. Als Thomas aber zu seinen Freunden zurückkam, fragten sie ihn so: was hat dir Jesus gesagt? Es sprach zu ihnen Thomas so: Wenn ich euch auch nur eins der Worte sagen würde, die er zu mir gesagt hat, würdet ihr Steine nehmen und auf mich werfen, und aus den Steinen würde Feuer kommen und euch verbrennen.

14.

Es sprach zu ihnen Jesus: Wenn ihr fastet, werdet ihr euch Sünde schaffen, und wenn ihr betet, wird man euch verdammen und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr eurem Pneuma schaden. Und wenn ihr ein Land betretet und in den Gegenden herumwandert, dann eßt, was man euch anbieten wird. Die Kranken unter ihnen, heilt. Denn was in euren Mund kommt, wird euch nicht verunreinigen; aber was aus eurem Mund herauskommt, das wird euch verunreinigen.

15.

Es sprach Jesus so: Wenn ihr denn seht, den keine Frau geboren hat, dann werft euch hin auf euer Gesicht und betet ihn an. Jener ist euer Vater.

16.

Es sprach Jesus so: Mag sein, daß die Menschen denken, ich wäre gekommen, Frieden auf die Welt zu bringen, und dabei wissen sie nicht, daß ich gekommen bin, Scheidung auf die Erde zubringen, Feuer, Schwert und Krieg. Denn fünf werden sein in einem Haus, und drei werden sein gegen zwei, und zwei gegen drei; der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater. Und sie werden dastehen als einzelne.

17.

Es sprach Jesus so: Ich werde euch geben, was kein Auge gesehen und was kein Ohr gehört und was keine Hand berührt hat und was auf keines Menschen Herz hinaufgestiegen ist.

18.

Es sprachen die Schüler zu Jesus so: Sage uns, wie wird unser Ende sein? Es sprach Jesus: Habt ihr denn den Anfang erfüllt, daß ihr das Ende sucht? Denn an dem Ort, an dem der Anfang ist, dort wird auch das Ende sein. Selig, wer im Anfang steht, er wird das Ende erkennen und den Tod nicht schmecken.

19.

Es sprach Jesus so: Selig, wer war, bevor er wurde. Wenn ihr zu Schülern werdet und meine Worte hört, dann werden euch diese Steine dienen. Denn ihr habt fünf Bäume im Paradies, die sich nicht bewegen sommers und winters. Und ihre Blätter fallen nicht ab. Jeder, der sie erkennen wird, wird den Tod nicht kosten.

20.

Es sprachen die Schüler zu Jesus so: Sage uns, wem die Herrschaft des Himmel gleicht? Er sprach zu ihnen so: Sie gleicht einem Senfsamen, der kleiner ist als alle Samen. Wenn er aber fällt auf das Land, das einer bebaut, treibt er einen großen Schößling hoch und wird zum Zelt für die Vögel des Himmels.

21.

Es sprach Maria zu Jesus so: Wem gleichen deine Schüler? Er sprach so: Sie gleichen Knaben, die sich auf einen Feld hinsetzten, das ihnen nicht gehört. Wenn aber die Herren des Feldes kommen, werden sie sagen: Laßt (gefälligst) unser Feld uns! Jenen ziehen sich da nackt aus vor denen, um es ihnen zu lassen und ihnen ihr Feld zu geben. Darum sage ich so: Wenn der Hausherr wüßte, daß ein Dieb kommt, würde er wachen, bis daß er kommt, und ihn nicht einbrechen lassen in das Haus seiner Herrschaft, um etwa seine Sachen wegzuschleppen. Ihr aber, seid wachsam vor der Welt! Gürtet eure Hüften mit großer Kraft, damit die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen. Denn den Besitz, nach dem ihr Ausschau haltet, werden sie (wohl) finden. Ach sei doch in euerer Mitte ein verständiger Mensch! Wenn aber die Frucht reif ist, kommt er schnell mit seiner Sichel in der Hand und mäht sie ab! Wer Ohren hat, um zu hören, der soll hören!

22.

Jesus sah kleine Kinder, wie sie Milch saugten. Er sprach zu seinen Schülern so: Diese kleinen Kinder, die saugen, gleichen denen, die hineinkommen in die Herrschaft. Sie sprachen zu ihm so: Werden wir, wenn wir kleine Kinder sind, hineinkommen in die Herrschaft? Es sprach Jesus zu ihnen so: Wenn ihr zwei zu eins macht, und wenn ihr den inneren Teil wie den äußeren Teil und den äußeren Teil wie den inneren Teil und den oberen Teil wie den unteren Teil (macht), und wo ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, damit nicht das Männliche männlich und das Weibliche weiblich bleibe; wenn ihr macht Augen statt eines Auges und Hände statt einer Hand und Füße statt eines Fuß und Bilder statt eines Bildes, dann werdet ihr hineinkommen (in die Herrschaft).

23.

Es sprach Jesus so: Ich werde euch aussuchen, einen aus 1000 und zwei aus 10000, und man wird ein einziger sein.

24.

Es sprachen seine Schüler zu ihm so: Lehre uns den „Ort“ (kennen), an dem du bist, denn es ist notwendig, daß wir ihn suchen. Er sprach zu ihnen so: Wer Ohren hat, soll hören! Licht ist innerhalb eines Menschen des Lichts, und er erleuchtet die ganze Welt. Wenn er nicht leuchtet, ist Finsternis.

25.

Es sprach Jesus so: Liebe deinen Bruder wie deine Seele; Hüte ihn wie die Pupille deines Auges!

26.

Es sprach Jesus so: Den Spreitzen im Auge deines Bruders siehst du wohl. Den Ast aus deinem Auge aber siehst du nicht. Wenn du den Ast aus deinem Auge herausdröselst, dann wirst Du scharf (genug) sehen, um herauszudröseln den Spreitzen aus dem Auge deines Bruders.

27.

Wenn ihr nicht vor der Welt fastet, werdet ihr die Herrschaft nicht finden; wenn ihr nicht den Sabbat zum Sabbat macht, werdet ihr den Vater nicht sehen.

28.

Es sprach Jesus so: Ich stand in der Mitte der Welt und machte mich ihnen bekannt im Fleische. Ich fand sie alle betrunken. Keinen Durstigen fand ich untere ihnen, und meine Seele wurde gequält, wegen der Söhne der Menschen. Denn sie sind blind in ihrem Herzen und sehen nicht deutlich, daß sie leer in die Welt gekommen sind, vielmehr suchen sie, wieder leer aus der Welt hinauszugehen. Ja, jetzt sind sie betrunken, wenn sie aber ihren Wein ausschütteln, dann werden sie umkehren.

29.

Es sprach Jesus: Wenn das Fleisch geworden sein sollte, wegen des Geistes, ist es wunderlich. Wenn der Geist aber wegen des Leibes (geworden seien sollte), ist es noch wunderlicher. Aber ich wundere mich, wie sich ein solcher Reichtum in dieser Armut Wohnung gesucht hat.

30.

Es sprach Jesus so: Wo drei Götter sind, sind (bloß) Götter, wo zwei oder einer, bin ich mit ihnen.

31.

Es sprach Jesus : Ein Prophet ist nicht akzeptiert in seinem Dorf. Ein Arzt heilt nicht solche, die ihn kennen.

32.

Es sprach Jesus so: Eine Stadt, die man auf einem hohen Berge baut und die bewährt ist, kann nicht fallen, sich aber auch nicht verbergen.

33.

Es sprach Jesus: Was du hören wirst in deinem Ohr, schrei in das andere Ohr, über eure Dächer hin. Denn niemand entzündet eine Lampe und stellt sie unter einem Bottich oder stellt sie an einen abgelegenen Platz, sondern er stellt sie auf den Kandelaber, damit alle, die eintreten, und alle, die hinausgehen, sein Licht sehen.

34.

Es sprach Jesus so: Wenn ein Blinder einen Blinden führt, fallen sie zu zweit hinunter in die Grube.

35.

Es sprach Jesus: Unmöglich ist es, daß einer in das Haus eines Starken eintritt und ihm Gewalt antut, es sei denn, er bände dessen Hände. Dann mag er dessen Haus umstülpen.

36.

Es sprach Jesus: Sorget euch nicht von der Frühe bis zum Abend und vom Abend bis zur Frühe, was ihr anziehen werdet.

37.

Es sprachen seine Schüler so: Wann wirst du dich uns bekannt machen, und wann werden wir dich sehen? Es sprach Jesus so: Wenn ihr eure Scham ablegt und eure Kleider nehmt und sie unter eure Füße legt, wie die kleinen Knaben und darauf trampelt, dann werdet ihr den Sohn dessen sehen, der lebendig ist, und euch nicht fürchten.

38.

Es sprach Jesus so: Oftmals habt ihr gewünscht, zu hören diese Worte, die ich euch sage, und ihr habt keinen anderen, sie von ihm zu hören. Tage werden kommen, da ihr mich suchen und nicht finden werdet.

39.

Es sprach Jesus so: Die Pharisäer und Schriftlehrer haben die Schlüssel der Erkenntnis an sich genommen und haben sie versteckt. Sie selber sind nicht eingetreten, und die eintreten wollten, haben sie nicht gelassen. Ihr aber! Seid schlau wie Schlangen und arglos wie Tauben.

40.

Es sprach Jesus: Ein Weinstock wurde außerhalb des Vaters gepflanzt, und da er ungeschützt ist, wird er ausgerissen mit der Wurzel, und er geht ein.

41.

Es sprach Jesus so: Dem, der in seiner Hand hält, wird man geben, und von dem, der nicht(s) hält, wird man auch das bißchen, das er hat, wegtragen.

42.

Es sprach Jesus so: Werdet Vorübergehende!

43.

Es sprachen zu ihm seine Schüler so: Du, wer bist du, daß du so zu uns sprichst? Erkennt ihr nicht in dem, was ich euch sage, wer ich bin? Nein, ihr seid geworden wie die Juden. Denn sie lieben den Baum und hassen seine Frucht und lieben die Frucht und hassen den Baum.

44.

Es sprach Jesus so: Wer dem Vater flucht, dem wird man vergeben, und wer dem Sohn flucht, dem wird man vergeben. Wer aber dem heiligen Geist flucht, dem wird man nicht vergeben, auf Erden nicht und im Himmel nicht.

45.

Es sprach Jesus: Man liest keine Tauben von den Dornen, noch zupft man Feigen von den Disteln, denn sie geben keine Frucht. Ein guter Mensch holt gutes aus seiner Truhe hervor. Ein schlechter Mensch holt Schlechtes aus seiner Truhe hervor, die in seinem Herzen ist, und er sagt (auch) Schlechtes, denn aus dem Überfluß des Herzens bringt er Schlechtes hervor.

46.

Es sprach Jesus so: Von Adam bis auf Johannes, dem Täufer, hin gibt es unter den von Frauen Geborenen keinen, der größer wäre als Johannes, der Täufer, so daß seine Augen nicht übergehen (?). Aber ich habe so gesagt: Jeder, der unter euch klein werden wird, wird die Herrschaft erkennen und würde größer sein als Johannes.

47.

Es sprach Jesus so: Es ist unmöglich, daß ein Mensch auf zwei Pferden reitet und zwei Bogen spannt, und es ist unmöglich, daß ein Knecht zwei Herren dient. Er wird den einen ehren und sich über den anderen lustig machen. Niemand trinkt alten Wein und verlangt sofort neuen Wein zu trinken. Und keiner gießt neuen Wein in einen alten Schlauch, damit er ihn nicht sprengt, und man gießt nicht alten Wein in einen neuen Schlauch, damit er ihn nicht verdirbt. Man flickt nicht einen alten Lappen auf ein neues Kleid, weil dies einen Riß geben wird.

48.

Es sprach Jesus so: Wenn zwei Frieden haben, einer mit dem anderen, werden sie zum Berge so sagen: Stell dich auf dem Kopf! Und er wird sich auf den Kopf stellen.

49.

Es sprach Jesus so: Selig, die einsam sind und erwählt! Denn ihr werdet die Herrschaft finden; weil ihr aus ihr seid, werdet ihr wieder dort hingehen.

50.

Es sprach Jesus so: Wenn sie zu euch so sagen: Woher seid ihr geworden?, sagt zu ihnen: Wir sind aus dem Licht gekommen, dem Ort, wo das Licht geworden ist aus sich selbst. Es stand und wurde kund in unserem Bilde. Wenn sie zu euch so sagen: Wer seid ihr?, sagt so: Wir sind seine Söhne, und wir sind erwählt von dem lebendigen Vater. Wenn sie euch fragen: Welches ist das Siegel eures Vaters an euch?, sagt ihnen so: Es ist Bewegung und Ruhe.

51.

Es sprachen zu ihm seine Schüler so: An welchem Tage wird die Ruhe derer, die gestorben sind, sein? Und an welchem Tage wird die neue Welt kommen? Er sprach zu ihnen so: Jene, die ihr erwartet ist gekommen, aber ihr erkennt sie nicht.

52.

Es sprachen zu ihm seine Schüler so: 24 Propheten haben in Israel gesprochen und alle haben sie gesprochen in dir. Er sprach zu ihnen so: Ihr werdet den haben, der lebendig ist vor euch, und ihr habt gesprochen über die, die tot sind!

53.

Es sprachen zu ihm seine Schüler so: Die Beschneidung, nützt sie oder nützt sie nicht(s)? Er sprach zu ihnen so: Wenn sie nützt, dann würde deren Vater sie von Ihren Müttern (bereits) beschnitten zeugen. Aber die wahre Beschneidung im Geiste hat gefunden jeden Nutzen.

54.

Es sprach Jesus so: Selig (ihr) die Armen, denn euch gehört die Herrschaft der Himmel.

55.

Es sprach Jesus so: Jeder, der nicht haßt seinen Vater und seine Mutter, wird mir nicht Schüler sein können. Und wer nicht haßt seine Brüder und seine Schwestern und nicht sein Kreuz trägt wie ich, wird meiner nicht wert sein.

56.

Es sprach Jesus so: Jeder, der die Welt erkannt hat, hat eine Leiche gefunden. Und wer eine Leiche fand, dessen ist die Welt nicht wert.

57.

Es sprach Jesus so: Die Herrschaft des Vaters gleicht einem Menschen, der guten Samen hatte. Sein Feind kam nachts und säte Lolch unter den guten Samen. Der Mann ließ sich den Lolch nicht ausreuten. Er sprach zu ihnen: Daß ihr ja nicht hingeht, um den Lolch auszureuten, und mit ihm zusammen den Weizen ausreutet! Denn am Tage der Ernte wird der Lolch bekannt werden. Man wird ihn ausreuten und verbrennen.

58.

Es sprach Jesus so: Selig der Mensch, der gelitten hat. Er hat das Leben gefunden.

59.

Es sprach Jesus so: Schaut euch um nach dem, der lebendig ist, solange ihr lebt, damit ihr nicht sterbt und ihn zu sehen sucht und ihn nicht sehen könnt.

60.

(Sie sahen) einen Samarier, der ein Lamm trug, und nach Judäa hineinging. Er sprach zu seinen Schülern so: Was will der mit dem Lamm? Sie sagen zu ihm: damit er es schlachtet und verspeist. Er sprach zu ihnen: Solange es lebt, wird er es nicht verspeisen, sondern wenn er es geschlachtet hat und es eine Leiche geworden ist. Sie sprachen so: Anders wird er das nicht machen können. Er sprach zu ihnen so: Suchet auch ihr euch einen Ort zur Ruhe, damit ihr nicht zur Leiche werdet und man euch verspeist.

61.

Es sprach Jesus: Zwei werden ruhen auf einem Bett. Einer wird sterben, einer wird leben. Es sagte Salome: Wer bist du, Mensch, wie aus einem? Du hast mein Bett bestiegen und du aßest von meinem Tisch! Es sprach Jesus zu ihr so: Ich bin der, der von dem ist, der gleich ist. Mir ist gegeben aus dem meines Vaters. – Ich bin deine Schülerin! – deswegen sage ich: Wenn er gleich ist, wird er sich füllen mit Licht. Wenn er aber geteilt ist, wird er sich mit Finsternis füllen.

62.

Es sprach Jesus so: Ich sage meine Geheimnisse… . Das, was deine Rechte tut, soll deine Linke nicht wissen, was sie tut.

63.

Es sprach Jesus so: Es war ein reicher Mensch, der hatte viele Güter. Er sprach so: Ich werde meine Güter nützen, um zu säen und zu ernten, zu pflanzen und meine Scheunen zu füllen mit Früchten, damit mir gar nichts mehr fehlt. Das ist es, was er erwog in seinem Herzen. Doch in jener Nacht starb er. Wer Ohren hat, soll hören!

64.

Es sprach Jesus so: Ein Mensch hatte Gäste. Und als er das Mahl bereitet hatte, schickte er seinen Knecht, damit er die Gäste lade. Er ging zu einem ersten und sagte zu ihm so: Mein Herr lädt dich ein! Er sagte so: Es schulden mir Geld (welche) von den Händlern. Sie kommen zu mir am Abend. Ich werde hingehen und ihnen Weisung geben. Ich entschuldige mich für das Mahl. Er ging zu einem anderen. Er sagte zu ihm so: Mein Herr hat dich eingeladen. Er sagte zu ihm so: Ich habe ein Haus gekauft, und man bittet mich für einen Tag. Es wird mir keine Zeit bleiben. Er kam zu einem anderen. Er sagte zu ihm so: Mein Herr lädt dich ein. Mein Freund wird Hochzeit machen. Und ich werde es sein, der ein Mahl geben wird. Ich werde nicht kommen können. Ich entschuldige mich für das Mahl. Er kam zu einem anderen. Er sagte zu ihm so: Mein Herr lädt dich ein. Er sagte zu ihm so: Ich habe ein Gut gekauft. Ich gehe, den Pachtzins holen. Ich werde nicht kommen können. Der Knecht ging. Er sagte zu seinem Herrn so: Die, welche du zum Mahle geladen hast, lassen sich entschuldigen. Der Herr sagte zu seinem Knecht so: Gehe hinaus an die Wege! Welche du auch finden wirst, bringe sie, damit sie das Mahl einnehmen. Die Händler werden nicht eintreten in den „Ort“ meines Vaters.

65.

Er sprach so: Ein guter Mensch hatte einen Weinberg. Er gab ihn Bauern, damit sie ihn bearbeiteten und er seine Frucht bekomme von ihnen. Er schickte seinen Knecht, damit die Bauern ihm die Frucht des Weinberges gäben. Sie ergriffen seinen Knecht und schlugen ihn nieder. Nur wenig hätte gefehlt, und sie hätten ihn getötet. Der Knecht ging weg und sagte es seinem Herrn. Sein Herr sagte so: Vielleicht haben sie ihn (nur) nicht erkannt? Er schickte einen anderen Knecht. Die Bauern schlugen auch den anderen Knecht nieder. Da schickte der Herr seinen Sohn und sagte so: Vielleicht werden sie sich scheuen vor ihm, meinem Sohn1 Jene Bauern, da sie wußten, daß er der Erbe des Weinbergs sei, packten ihn und schlugen ihn tot. Wer Ohren hat soll hören!

66.

Es sprach Jesus so: Belehrt mich über den Stein, den die Bauleute verworfen haben! Jener ist der Angelstein.

67.

Es sprach Jesus so: Wer das Ganze erkennt, seiner selbst bedarf, bedarf des ganzen Ortes.

68.

Es sprach Jesus so: Ihr seid selig, wenn sie euch hassen und verfolgen, und sie werden keinen „Ort“ finden, an dem Ort, an dem sie euch verfolgen.

69.

Es sprach Jesus: Selig, die verfolgt werden in ihrem Herzen, jene sind es, die den Vater in Wahrheit erkannt haben. Selig diejenigen, die hungern! Denn man wird den Leib dessen satt machen, der (es) will.

70.

Es sprach Jesus: Wenn ihr jenes in euch erzeugt, so wird euch das, was ihr habt, retten. Wenn ihr jenes nicht in euch habt, so wird das, was ihr nicht habt, euch töten.

71.

Es sprach Jesus so: Ich werde dieses Haus umstürzen, und niemand wird es wieder bauen können.

72.

Einer sagte zu ihm: Sage meinen Brüdern, daß sie die Sachen meines Vaters mit mir teilen sollen! Er sagte zu ihm so: O Mann!, Wer wäre es, der nicht zum (Erb-) Teiler gemacht hätte. Er wandte sich an seinen Schüler und sagte zu ihnen so: Bin ich etwa ein (Erb-) Teiler?

73.

Es sprach Jesus so: Die Ernte ist zwar groß, die Arbeiter aber sind wenig. Bittet aber den Herrn, daß er Arbeiter schicke zur Ernte.

74.

Er sprach so: Herr, es sind viele um den Brunnen, aber keiner ist im Brunnen!

75.

Es sprach Jesus: Viele stehen an er Türe, aber die Einsamen sind es, die eintreten werden ins Brautgemach.

76.

Es sprach Jesus so: Die Herrschaft des Vaters gleicht einem Kaufmann, der eine Warenladung hatte und (darunter) eine Perle fand. Jener Kaufmann ist klug. Er verkaufte die Wagenladung und erstand sich einzig die Perle. Sucht auch ihr den Schatz dessen, der nicht abnimmt, der bleibt, wo in ihn keine Motte eindringt, um zu nagen, und wo kein Wurm verdirbt!

77.

Es sprach Jesus so: Ich bin das Licht, das über allem ist. Ich bin das Universum. Das Universum ist aus mir hervorgegangen und das Universum ist zu mir gelangt. Spaltet einen Holzscheit: Ich bin dort! Hebt einen Stein hoch, und ihr werdet mich dort finden!

78.

Es sprach Jesus so: Warum seid ihr hinaus gegangen aufs Feld? Zu sehen ein Schilfrohr, vom Winde bewegt? Um zu sehen einen Mensch, der weiche Kleider trägt? (Seht) eure Könige und eure Magnaten: Diese haben weiche Kleider an und sie werden die Wahrheit nicht erkennen können.

79.

Es sprach eine Frau zu ihm in der Menge so: Selig der Bauch, der dich getragen hat, und die Brüste, die dich gestillt haben! Er sprach zu ihr so: Selig, die gehört haben das Wort des Vaters und es in Wahrheit behalten haben! Tage werden nämlich kommen, da ihr sagen werdet: Selig der Bauch, der nicht schwanger geworden ist, und die Brüste, die keine Milch gegeben haben!

80.

Es sprach Jesus so: Jeder, der die Welt erkannt hat, hat den Leib gefunden. Wer aber den Leib gefunden hat – die Welt ist seiner nicht wert.

81.

Es sprach Jesus so: Jeder, der reich geworden ist, möge König werden. Und jeder, der macht hat, möge darauf verzichten.

82.

Es sprach Jesus so: Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe, und wer mir fern ist, ist der Herrschaft fern.

83.

Es sprach Jesus so: Bilder sind dem Menschen manifest, doch das Licht in ihnen ist verborgen im Bilde des Lichtes des Vaters. Es wird aber auch sichtbar dessen Bild, (das) verborgen ist durch dessen Licht.

84.

Es sprach Jesus: An dem Tag, an dem ihr euer Gleichbild seht, werdet ihr euch freuen. Wenn ihr aber eure Bilder seht, die vor euch entstanden sind – sie sterben nicht, sie erscheinen nicht – , was alles werdet ihr ertragen?

85.

Es sprach Jesus so: Adam ist aus einer großen Kraft entstanden und aus einem großen Reichtum und (doch) ist er eurer nicht wert, denn wäre er wert geworden, hätte er den Tod nicht gekostet.

86.

Es sprach Jesus so: Die Füchse haben ihre Löcher, und die Vögel haben ihr Nest. Der Sohn des Menschen aber hat keine Stelle, um seinen Kopf zu betten und zu ruhen.

87.

Es sprach Jesus so: Elend ist der Leib, der an einem Leibe hängt und elend ist die Seele, die an diesen beiden hängt.

88.

Es sprach Jesus so: Engel werden zu euch kommen, samt den Propheten, und sie werden euch geben, was euer ist. Und auch ihr gebt ihnen, was in euren Händen ist. Und sagt euch so: Wann werden sie kommen, und das Ihrige nehmen?

89.

Es sprach Jesus so: Warum wascht ihr die Außenseite eines Bechers? Versteht ihr nicht, daß wer die Innenseite geformt hat, auch der ist, der die Außenseite geformt hat?

90.

Es sprach Jesus so: Kommt zu mir, denn leicht ist mein Joch und meine Herrschaft ist mild und ihr werdet Ruhe finden für euch.

91.

Sie sprachen zu ihm so: Sage uns, wer du bist, damit wir dir Vertrauen! Er sprach zu ihnen so: Ihr prüft das Gesicht des Himmels und der Erde, und den, der vor euch ist, habt ihr nicht erkannt! In diesem Augenblick versteht ihr es nicht zu prüfen.

92.

Es sprach Jesus so: Suchet und ihr werdet finden. Aber das, wonach ihr nicht in diesen Tagen fragtet, habe ich euch an jenem Tage nicht gesagt. Jetzt will ich es sagen, und ihr sucht es nicht.

93.

Gebt nicht das, was heilig ist, den Hunde, damit sie es nicht auf den Mist zerren. Werft nicht die Perlen den Säuen hin, damit sie es nicht machen…

94.

Jesus: Wer sucht, wird finden. Wer klopft, dem wird geöffnet.

95.

Wenn ihr Geld habt, leiht nicht auf Zins, sondern gebt…dem, von dem ihr sie (?) nicht erstattet bekommt.

96.

Jesus so: Die Herrschaft des Vaters gleicht einer Frau. Sie nahm ein wenig Sauerteig und mengte ihn in Mehl. Sie machte ihn zu großen Broten. Wer Ohren hat, soll hören!

97.

Es sprach Jesus so: Die Herrschaft des Vaters gleicht einer Frau, die einen Krug trägt, der voll Mehl war, und die einen weiten Weg ging. Der Henkel des Kruges zerbrach; das Mehl rieselte herab hinter ihr auf den Weg. Sie merkte nichts, wußte nichts vom Mißgeschick. Als sie in ihr Haus gelangt war, stellte sie den Krug zu Boden und sie fand ihn leer.

98.

Es sprach Jesus so: Die Herrschaft des Vaters gleicht einem Mann, der einen mächtigen Herrn ermorden wollte. Er zückte das Schwert zu Hause und durchstach die Wand, um zu sehen, ob seine Hand stark (genug) sein werde. Dann mordete er den Mächtigen.

99.

Es sprachen die Schüler zu ihm so: Deine Brüder und deine Mutter stehen draußen. Er sprach zu ihnen so: Diejenigen, die an diesen Plätzen sind, die den Willen meines Vaters tun, diese sind meine Brüder und meine Mutter. Sie sind es, die eintreten werden in die Herrschaft meines Vaters.

100.

Sie zeigten Jesus einen Aureus und sprachen zu ihm so: Diejenigen, die sich zum Kaiser halten, fordern von uns Tribut. Er sprach zu ihnen so: Gebt jenes dem Kaiser, was des Kaisers, gebt jenes Gott, was Gottes, und das, was mein ist, gebt mir!

101.

Wer nicht haßt seinen Vater und seine Mutter wie ich, wird mir nicht Schüler werden können und wer nicht liebt seinen Vater und seine Mutter, wird mir nicht Schüler werden können…

102.

Es sprach Jesus: Wehe ihnen, den Pharisäern, denn sie gleichen einem Hund, der auf dem Freßtrog der Rinder liegt, weder frißt er (selbst), noch läßt er die Rinder fressen.

103.

Es sprach Jesus so: Selig der Mensch, der weiß, wo die Räuber eindringen, damit er aufsteht und seine (Kraft) sammelt und sich um die Hüfte gürtet, bevor sie eindringen können.

104.

Sie sprachen zu ihm so: Komm, laß uns heute beten und fasten! Es sprach Jesus so: Was ist denn die Sünde, die ich tat, oder worin besiegt man mich? Nein, wenn der Bräutigam kommt, kommt auch das Brautgemach, dann mögen sie fasten und beten.

105.

Es sprach Jesus so: Wer Vater und Mutter kennt, wird (der) Hurensohn gerufen?

106.

Es sprach Jesus so: Wenn ihr die zwei zu einer macht, werdet ihr Söhne des Menschen, und wenn ihr sagt: Berg, stell dich auf den Kopf, so wird er sich auf den Kopf stellen.

107.

Es sprach Jesus so: Die Herrschaft gleicht einem Hirten, der 100 Schafe hat. Eins von ihnen irrte ab, das größte. Er ließ die 99 und suchte nach jenem einen, bis er es fand. Nachdem er sich abgemüht hatte, sagte er zu dem Schaf so: Ich mag dich mehr als die 99.

108.

Es sprach Jesus so: Wer aus meinem Munde trinkt, wird werden wie ich. Ich aber werde er werden, und das, was verborgen ist, wird ihm bekannt sein.

109.

Es sprach Jesus so: Die Herrschaft gleicht einem Menschen, der auf seinem Acker einen Schatz vergraben hat, von dem er nichts weiß. Und nachdem er gestorben war, hinterließ er den Schatz seinem Sohn. (Auch) der Sohn wußte nichts. Er erhielt jenen Acker und verkaufte ihn und der, der ihn gekauft hatte, kam, zu pflügen, und fand den Schatz. Und er begann Geld zu geben auf Zinsen, wem er wollte.

110.

Es sprach Jesus so: Wer die Welt gefunden hat und reich geworden ist, soll auf die Welt verzichten.

111.

Es sprach Jesus so: Die Himmel werden sich aufrollen und die Erde vor euch. Und jeder, der lebendig ist aus dem, der lebendig ist, wird den Tod nicht sehen „Nicht“ weil Jesus so sagt: Wer sich selbst findet – die Welt ist seiner nicht wert.

112.

Es sprach Jesus so: Wehe dem Fleisch, daß an der Seele hängt! Wehe der Seele, die am Fleische hängt!

113.

Es sprachen zu ihm seine Schüler so: Die Herrschaft, an welchem Tage wird sie kommen? Sie wird nicht kommen erspähbar. Man wird nicht sagen: Seht hier! oder: Seht dort! Sondern die Herrschaft des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen sie nicht.

114.

Es sprach zu ihnen Simon Petrus so: Maria soll von uns weggehen Denn Frauen sind des Lebens nicht wert. Es sprach Jesus so: Seht, ich werde sie ziehen, um sie männlich zu machen, damit auch sie ein lebendes Pneuma wird, ähnlich euch männlichen. Denn jede Frau, die sich männlich macht, wird eintreten in die Herrschaft der Himmel.

Das Thomas-Evaangelium wurde zur selben Zeit wie die vier kanonischen Evangelien geschrieben. Es ging dann aber nicht mit in den Kanon ein und galt viele Jahrhunderte als verloren.
Anders als die anderen Evangelien drückt es eine gnostische Perspektive der Welt aus.

Über den Autor

Tom Bombadil
Was wird aus Mittelerde im Zeitalter der Menschen?

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