Die Kunst des Lebens

Die Kunst des Lebens: Freiheit Verantwortung LebenDie Kunst des Lebens: Freiheit Verantwortung Leben
Freiheit Verantwortung Leben

Freiheit Verantwortung Leben

Oder auch: Die Kunst den Tod zu über leben – und wie Kunst dabei helfen kann.

Zu allen Zeiten ging es beim Thema „Was ist Kunst“ um den Kern der menschlichen Existenz.

Mich jedenfalls hat die Frage, was überhaupt die Aufgabe von Kunst sein könnte, zeitlebens beschäftigt.

Kunststück – bei meinem Elternhaus, besonders meiner Mutter, die Goethe so sehr liebt, meiner Deutsch-Lehrerin, die ein leidenschaftlicher Faust – Fan war und meinem Studium – Ästhetik und Germanistik.

Immer weiter, immer konsequenter hat mich die Frage, was es mit Kunst überhaupt auf sich haben könnte, an die Abgründe des Lebens geführt.

Dahin, wo ich es bin, die die existentiellen Entscheidungen über mein Leben treffen muss.

Und kann – und natürlich dann auch will.


Den Tod überleben – durchaus ein Kunststück. Wenn nicht des Lebens Meisterwerk.

Die Kunst des Lebens - die drei Grazien

Die Kunst des Lebens – die drei Grazien

Tod verstehe ich  das Erleben und möglicherweise auch Überleben einer großen Prüfung:

Der Prüfung, mein eigenes, selbstverständliches Erleben aus anderen Perspektiven zu erfahren.

Meist eher plötzlich, mitunter schon einige Zeit vor dem Tod – so beschreibt es auch die Nahtod-Forschung – wird ein Mensch mit einer ganz anderen als der ihm bisher vertrauten Sicht auf sich selbst konfrontiert.

Auch intensiv Meditierende kennen diese Erfahrung sehr genau. Übrigens eine der – sehr guten – Gründe zum Meditieren.

Für diese Prüfung, die jedem Menschen früher oder später bevorsteht, kann mensch lernen – im Laufe seines (irdischen) Lebens.

Nicht etwa um die wahre Perspektive geht es bei dieser Prüfung, sondern um andere – die eines Du.

Andere Perspektiven auf das Leben, insbesondere das eigene Leben als plausibel zu erfahren ohne sich selbst zu verlieren, ist eine Herausforderung, die zunächst und zumeist als unzumutbar erlebt und erwartet wird.

Doch ohne andere – wie gesagt nicht wahre, sondern andere – Welt-Sichten ist ein Mensch definitiv nicht überlebensfähig.

Das gilt schon, was sein ganz irdisch normales Leben betrifft. Mensch ist ein soziales Tier, das ohne die Hilfe zunächst, später die Kooperation mit anderen Menschen seine bloße Existenz kaum sichern könnte.

Das gilt umso mehr, wenn er sich mit den paar Erdenjahren, die er in seinem halbwegs sicheren und abgegrenzten Körper als Startbonus zur Verfügung hat, hinaus leben will.

Wie aber kann er lernen, mehr als die ihm selbst-verständlichen Erfahrungen in sein Handeln einzubeziehen?

Einfache wie naheliegende Antwort: Durch andere Menschen, die genauso selbst-verständliche andere Erfahrungen haben. Im Zeitalter von Kommunikation und Internet keine unlösbare Aufgabe mehr. Nicht ganz zufällig, finde ich,  hat Immortalist und Internet den selben Zahlwert in der deutschen Kabbalah.


Du – Perspektiven kennenlernen

Um die Perspektive eines Du als andere Perspektive erleben zu können, braucht mensch die

  • Ich-Perspektive – so erlebe ich die Welt, so handle ich, das ist mir wichtig, das sind meine Ziele, das tue ich als nächstes, so sorge ich für mein Leben. (Handeln)
  • Es-Perspektive – so spielen – unabhängig von mir – Abläufe, Instinkte, Gewohnheiten, Interessen, Handlungen, Ziele von Natur und Menschen zusammen. (Gesetze)

Je klarer und sicherer mensch Ich-Perspektive und Es-Perspektive unterscheiden und unabhängig voneinander einnehmen kann, desto sicherer kann er sein eigenes Handeln und dessen Wirken auch langfristig beurteilen und erfolgreich beeinflussen.

Je klarer mensch sich über sein eigenes Handeln oder die Gesetze des Lebens ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass mensch die Perspektive eines anderen (Du) als bereichernd annehmen und dadurch in seine Ich-Perspektive (Handlungsmöglichkeiten) integrieren kann.

Von den Erfahrungen Anderer profitieren zu können, sie zu verstehen, selbst und gerade wenn sie ganz anders als die eigenen sind, ist der Schlüssel zu erfolgreichem, glücklichen Leben.

Gesteigert, ja existentiell, wird dieser Gewinn, wenn die Erfahrungen des anderen sich auf vergleichbare oder gar identische Situationen beziehen, die man selbst – so ganz anders erlebt und für so allein erlebbar gehalten hat.

Je unklarer mensch sich über sein eigenes Handeln oder die Gesetze des Lebens ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass er zur Perspektive des Anderen überlaufen wird oder vor ihr weglaufen wird.

In beiden Fällen würde er kaum ein kreativer Mensch werden können, der sein Leben so gestaltet, dass er glücklich und aus vollstem Herzen liebend gern lebt. Er würde dann eher leiden und sich vor weiterem Leid abgrenzen, zu schützen versuchen. Und so immer größeres Leid und immer mehr Abgrenzung erleben.


Und was ist nun Kunst?

Die Kunst des Lebens - Pieta von Michelangelo

Die Kunst des Lebens – Pieta von Michelangelo

Kunst hat in diesem Kontext die Aufgabe, andere (für jedes Ich eine mögliche Du-Perspektive) als die schon selbstverständlichen zu zeigen und plausibel zu machen.

Und das nicht – wie seit Platon gut zwei Jahrtausende – als Wahrheit, die Ich nun zu übernehmen habe.

Sondern als Angebot – schau mal, wenn du so beobachtest, kannst du dieses und jenes sehen. Vielleicht ist das ja etwas, was deine Weise, die Welt zu beschreiben, um einen wichtigen Zusammenhang, der dir bisher unsichtbar war, bereichert.


Bildnachweis:

Die Kunst des Lebens – die drei Grazien: Dieter Schütz/ Quelle pixelio.de
Die Kunst des Lebens – Pieta von Michelangelo: Katharina Wieland Müller / Quelle: pixelio.de

Über den Autor

Tom Bombadil
Was wird aus Mittelerde im Zeitalter der Menschen?

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